Kopf hoch, tanzen

Es ist ja nun ein Vorurteil, dass das Ruhrgebiet grau ist. Vielleicht war das mal so, als die Hochöfen noch ihren Dreck in die Luft geblasen haben, aber es trifft heute sicher nicht mehr zu. Was mir aber zunehmend auffällt, sind die grauen Menschen. Dabei meine ich nicht eine Uniformiertheit im Sinne der Grauen Herren (Na? Naaaaaa? Welches Buch?), sondern viele Menschen sehen völlig fertig aus. Augenringe, runterhängende Mundwinkel. Und das bei denen, die zur Arbeit fahren. An das Bild der Obdachlosen oder der bettelnden Menschen habe ich mich geradezu gewöhnt. Ob ich es nicht mehr wahrnehme oder es ausblende sei dahin gestellt. Armut und Freudlosigkeit gehören ein bisschen zum Stadtbild. Oder ist das überall so?

Neulich hat es mich noch mal gerissen. Da war ich mit dem Mann in einem Kaufhaus in der Fußgängerzone. Dort gibt es eine Aktion einer Grundschule, deren Schüler hauptsächlich aus sozial schwächeren Familien kommen. Es hängen dort Karten aus, auf die die Grundschulkinder ihre Wünsche für das kommende Schuljahr geschrieben haben. Und da lese ich dann: „Bleistift und Anspitzer“. „Radiergummi.“ Tränen schon im Anschlag! Und dann schaue ich, was Schulsachen so kosten, und wenn eine Familie eh schon knapsen muss, ist das viel Geld! Wir haben dann für ein Kind Bleistifte und Anspitzer gekauft und dafür 4 Euro gezahlt. 4 Euro, die wir so nicht mal merken. Ich fühlte mich da nicht als der edle Spender, sondern eher beschämt. Das Leid der Welt und so!

Und dann waren wir ja neulich in Portugal. Unsere erste Station war Porto. In der zweitgrößten Stadt des Landes springt einem die Armut sofort ins Gesicht. Menschen leben in Häusern, deren oberste Stockwerke einfach in sich zusammen gefallen sind. Die Drogenproblematik ist offensichtlich. Meth ist offensichtlich der heiße Scheiß – billig und zerstörend.

Aber dann laufen wir durch die engen Gassen, rauf und runter (gefühlt immer rauf!). Auf einmal ohrenbetäubende Musik aus einem der Wohnhäuser. Auf der Straße steht eine einzelne Frau und tanzt, ganz alleine. Die Nachbarn sitzen vor ihren Häusern oder in ihren Fenstern und wippen fröhlich mit. Eine andere Frau ächzt die Straße hoch, sieht die Andere und tanzt einfach mit!

Und so ist es! Manchmal kannst du einfach nur noch tanzen. Du kannst versuchen, etwas an deiner Situation zu verändern, und du kannst im Rahmen deiner Möglichkeiten helfen. Du solltest wissen, dass 4 Euro nicht selbstverständlich sind. Aber wenn du zwischendurch mal tanzt in deinem Kopf, ist die Welt für einen kurzen Moment ein wenig besser. Und das hilft auch, irgendwie!

Wir sollten alle mehr tanzen!

Frollein W.

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